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Warum aus .com fast .bus geworden wäre

Wer im Internet surft, kommt über kurz oder lang mit dem Domain Name System, kurz DNS, in Kontakt. Zumindest im Hintergrund, denn ausser uns Technikfreaks weiss keiner so genau, was es mit dem DNS wirklich auf sich hat. Vereinfacht gesagt dienen DNS-Server als Übersetzer, sie liefern zum Beispiel einem Webbrowser die zur aufgerufenen Domain gehörige IP-Adresse zurück. Gibt also jemand in seinem Webbrowser https://www.cyon.ch ein, muss der Computer des Nutzers erst wissen, welche IP-Adresse zu www.cyon.ch gehört. Erst wenn ihm diese bekannt ist, weiss der Computer, mit welchem Server er sich verbinden muss, um die Website anzuzeigen.

Internet-Pionierin Elizabeth Feinler: Warum aus .com fast .bus geworden wäre

Was heute automatisch und in Bruchteilen von Sekunden im Hintergrund passiert, machte Elizabeth Feinler früher in echter Handarbeit. «Jake», wie sie von Ihren Freunden genannt wird, war von 1972 bis 1989 für das Network Information Center (NIC) des Stanford Research Institute verantwortlich, wo sie damals auch die sogenannte Host-Tabelle führte – von Hand und auf Papier. Elizabeth, die am 2. März 2019 ihren 88. Geburtstag feiert, ist damit eine wahre Pionierin des Internets, auch wenn sie namentlich nur Insidern bekannt sein dürfte.

Denn: Jake erledigte das in Handarbeit. Kam ein neuer Computer dazu oder fiel einer weg, korrigierte sie die papierene Liste, am Schluss mehrmals wöchentlich. Und nicht nur das: Wer wollte, konnte auch beim NIC anrufen und entsprechende Auskünfte bekommen. Jeder Computer-Administrator erhielt eine jeweils aktualisierte Hostnamen-Liste auf Papier, um auch mal selber nachschlagen zu können. Erst später wurde dieser Prozess automatisiert, indem die Liste als ASCII-Datei mit dem Namen «hosts.txt» zur Verfügung gestellt wurde. Computer-Administratoren wurden angehalten, mehrmals wöchentlich die aktuelle Version der «hosts.txt» via FTP herunterzuladen. Und wer das nicht tat und damit für Fehler im Netzwerk sorgte, bekam es mit Jake zu tun, die Stunden damit verbrachte, Sysadmins davon zu überzeugen, dass regelmässige Updates nötig sind.

Auszug aus dem ARPANET-Directory 1974

Auszug aus dem ARPANET-Directory 1974 (Quelle: hyfen.net)

Wie .com sich doch noch gegen .bus durchsetzte

Feinler und das NIC waren es auch, die später beschlossen haben, ARPANET, den Vorgänger des heutigen Internets, aus administrativen Gründen in verschiedene Top-Level-Domains aufzuteilen. Künftig sollte es also die Top-Level-Domains .mil, .gov, .edu, .org und .bus für «Business» geben. Erst im letzten Moment realisierten die Beteiligten, dass .bus bereits in Zusammenhang mit einigen Hardware-Controllern im Einsatz war und entschieden sich am Ende für die Endung .com («Commercial»). Rückwirkend eine ziemlich spannende Anekdote, wenn man bedenkt, dass es heute über 134 Millionen registrierte .com-Domains gibt.

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